Herzlich willkommen auf der Homepage zum Podcast-Buch.
Die großen Fragen beantworten wir dir im Buch selbst: Was sind Podcasts? Wie kann ich
sie hören und abonnieren? Wo finde ich sie? Wie mache ich selbst einen Podcast? Wie nehme
ich ihn auf? Was brauche ich dafür? Wie veröffentliche ich meinen Podcast? Wie mache
ich ihn bekannt? Wie verpasse ich ihm den letzten Schliff?
Den ganzen Rest findest du hier auf der Homepage: die Links zu allen wichtigen
Podcast-Programmen aus dem Buch, die Dinge, die sich nach der Veröffentlichung noch getan
haben, die 150 Fragen in Sachen Podcasts zum Nachhören und mehr.
So klingt der Abgang von Georg Schneider. Mit sich zieht er seinen Podcastclub und hinterlässt eine Menge Frust: “Es waren ja immer nur der Club und ab und zu der Verband die etwas bewegt haben – die Mehrheit hat ja nichts gebracht.” Gemeint ist das Ende des Podcastclubs (Abschiedstext), dem letzten verbliebenen Verein, der sich für die Podcast-Szene in Deutschland einsetzen wollte. Der Podcastverband hat bereits im Oktober das Licht ausgeknipst. Eigentlich habe ich schon länger einen Text in der Rohfassung vor mir liegen, in dem ich mich mit dem Stillstand der deutschen Podcaster-Szene beschäftige und frage, wo denn die neuen Leuchttürme sind. Den Text werde ich nicht veröffentlichen, denn langsam habe ich das Gefühl, es müssen die privaten Podcaster in Schutz genommen werden. Enttäuschung und Frust rechtfertigen keine Abrechnung, wie “die Mehrheit hat ja nichts gebracht”.
Was ist passiert? Es hat mit dem Podcast-Award 2008 zu tun. Die Geschichte lief -stark verkürzt- so ab: Die Organisatoren (Podcastclub, dessen Vorsitzender Georg Schneider war) mußten die Abstimmung zum Publikumspreis stoppen, da das technische Verfahren manipuliert worden ist, nachdem die Macher des ComputerClub 2 die Mängel im Netz publizierten. Ein Streit folgte und endete mit der Schließung des Clubs und der Absage der Awardverleihung. Im Januar wurde die ComputerClub-Macher noch herzlich in die “Gemeinde” der Podcaster aufgenommen, als ihnen der Podcast-Award verliehen worden ist. Selbstgefällig redeten die Macher von der Zeit, als ihre Sendung noch im WDR zu sehen waren. In ihren alten Geschichten schwang noch der Frust über die Absetzung durch den WDR mit. Die ComputerClub-Moderatoren fühlten sich nicht verstanden. Das der ComputerClub 2 jetzt mit dem Ende des Podcastclubs zu tun hat, wundert mich nicht. Auch hier treffen zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Auf der Webseite verstehen die ComputerClub-Macher den Ärger nicht. “Ich war gerade dabei, Geschütze aufzufahren, um die eigene Ehre wieder zu erlangen. Ich habe nämlich keine Anleitung zum Manipulieren veröffentlicht”, ist dort zu lesen (leider ist nicht ersichtlich, ob Wolfgang Back oder Wolfgang Rudolpf dies geschrieben hat; deswegen schreibe ich hier auch nur von den Machern). In dem Text wird die Publizierung der Mängel mit der Pflicht des Journalisten gerechtfertigt, Missstände aufzudecken. Wenn eine Reaktion jedoch mit dem folgenden beginnt, wird meiner Meinung nach das Ziel verfehlt: “Wer sich jetzt noch für den http://www.podcastclub.de interessiert, der wird enttäuscht sein. Ich selbst bin es auch.”. Die ganze Geschichte ist ein großes Durcheinander und spielt auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit. Ich kann Georg Schneider aber sehr gut verstehen. Versetzen wir uns einmal in seine Lage: Die Goldgräberstimmung ist vorbei und mit einigen Anderen investiert er viel Freizeit und bestimmt auch eigenes Geld, um Podcasting in Deutschland zu fördern. Bei all der Mühe gibt es kaum Resonanz, wenn überhaupt viel Kritik (siehe Uwe Werner im Podcasterblog). Bleibt die Erkenntnis, sich durch das Engagement eine gewisse Erfahrung aufgehäuft zu haben. Doch dann kommen Agenturen, Verlage und Sender, die eigene Podcast-Angebote starten, erfolgreich sind und weder auf Verband oder Club zurückgreifen. Georg Schneiders Frust spielt sich in seiner Stellungnahme in einer Sonderausgabe des Podcast-Journals wieder (Dieser Episode habe ich seine Zitate in diesem Text entnommen). Der Ex-Vorsitzende ärgert sich, dass inzwischen alles als Podcast bezeichnet wird, was hipp und hörbar ist: “Die Podcast-Technik, das Abonnieren an sich, wird sich nicht mehr durchsetzen.”
Wie geht es weiter? Gerrit van Aaken, einer der frühesten deutschen Podcaster, hat Ende November in seinem Blog gefragt, ob Podcasting noch zu retten ist. Eine Reihe von negativer Erfahrungen in den letzten Monaten führten ihn zu der Erkenntnis, das Medium sei zu beerdigen, weil es sich in den letzten drei Jahren nicht durchgesetzt hat. Ich glaube Gerrit fehlt in seinem Aufsatz die Distanz zu dem Thema. Aus seiner Ur-Podcaster-Sicht kann ich das sehr gut nachvollziehen, jedoch teile ich vielmehr die Ansicht von Tim Pritlove, der sich in dieser Nacht auch Gedanken zu den jüngsten Ereignissen gemacht hat. Sein Fazit ist auf eine abgedroschene Formel zu bringen: Der Podcast ist tot, es lebe der Podcast! Nur weil es nicht mehr Club und Verband gibt, werden jetzt nicht scharenweise Podcaster ihr Angebot einstellen. Nur weil Annik Rubens nicht mehr monatlich mit einem Interview oder einer Homestory in Printprodukten präsent ist, wird die Zahl der Abonennten einbrechen (Sie mag mir die Übertreibung an dieser Stelle verzeihen). Die Kreativität der Podcaster ist jetzt gefragt, sich mit jeder Episode so neu zu erfinden, dass sie für ihre Zuhörer oder Zuschauer attraktiv bleiben. Tim sagt “Qualität setzt sich durch” und diesem gerne von mir benutzten Satz unterschreibe ich in dieser Angelegenheit wieder. Gelassenheit und Geduld ist auch hier angebracht.
Ist der Podcast in Deutschland tot? Ein besorgter Kollege kontaktierte mich heute Früh im Adium mit der Frage: “Weniger schön ist ja das was ich gerade sehe, erst hat der Podcastverband zu gemacht und nun der Podcastclub :-( Ist Podcasting in Deutschland gestorben?” Darauf ich: “Auf gar keinen Fall.” Daraufhin der Kollege: “Sehr schön, das darf es auch nicht.” Obwohl, ehrlich gesagt sehe ich schon die Schlagzeilen kommen, welche den Podcast-Tod durch die Print- und Online-Presse wedeln werden. So einfach ist das aber nicht. Das Podcast-Prinzip und der Begriff haben sich in den letzten Monaten immer mehr durchgesetzt. Viele, viele Radiosender nutzen in diesem Jahr das Wort “Podcast” mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch die eigenen E-Mail-Adressen oder Frequenzen im Programm nennen. Private Podcaster werden genauso eigene Angebote starten, wie sie diese auch beenden werden. Einzelne Webmaster, Blogger oder Gruppen werden auch Podcasts auf ihrer Webseite anbieten. Aber nur aus dem Grund, weil sie die Form praktisch finden und nicht weil es das neue Spielzeug ist, dessen Grenzen jetzt ausgelotet werden müssen. Letzteres hat wohl viele Früh-Podcaster (zusammen mit dem Gefühl “bei etwas ganz Großem dabei zu sein”) die Erwartungen hochschrauben lassen. Ich erinnere mich noch daran, als ein Videoblogger kürzlich auf einer Konferenz sich enttäuscht über die Szene im Gespräch mit mir äußerte. Er stellte sich auch die Frage, warum denn jetzt keine große Firma auf ihn zukommt, um seine Fähigkeiten als Podcaster zu nutzen. Vielleicht eine symptomatische Einstellung der Szene. Wobei Tim Pritlove schlüssig argumentiert, warum es eigentlich in Deutschland keine “Podcast-Szene” gibt. Vielleicht sind wir jetzt einfach an dem Punkt angekommen, an dem sich in jeder Ecke die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht “eine Szene” gibt. Ich bin mir aber sicher: Das Thema Podcasting wird weiter interessant bleiben, auch wenn der Zauber inzwischen verflogen ist.
Noch einmal: Was ist hier passiert? Podcasting ist nicht tot. iTunes wird auch künftig neue Folgen von Schlaflos in München, Markendreiklang, Was weiß ich und so ausliefern. Auf große Erwartungen folgte große Ernüchterung – Personen die mit viel Engagement das Thema in Deutschland gefördert haben, haben in den letzten Wochen ihrem Ärger Luft gemacht. Oft ist ein wenig Abstand eine gute Lösung. Oft heißt dies auch, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Und ich habe irgendwie die Hoffnung, dass diese Zeit gut genutzt wird. Vielleicht entsteht in der einen oder anderen Minute eine Idee und daraus vielleicht ein schöner neuer Podcast oder eine schöne neue Episode. Und darum ging es ursprünglich ja auch.
Wir “hören” uns im nächsten Jahr.