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23.12.2007 | 15:04 | Daniel Fiene

So klingt der Abgang von Georg Schneider. Mit sich zieht er seinen Podcastclub und hinterlässt eine Menge Frust: “Es waren ja immer nur der Club und ab und zu der Verband die etwas bewegt haben – die Mehrheit hat ja nichts gebracht.” Gemeint ist das Ende des Podcastclubs (Abschiedstext), dem letzten verbliebenen Verein, der sich für die Podcast-Szene in Deutschland einsetzen wollte. Der Podcastverband hat bereits im Oktober das Licht ausgeknipst. Eigentlich habe ich schon länger einen Text in der Rohfassung vor mir liegen, in dem ich mich mit dem Stillstand der deutschen Podcaster-Szene beschäftige und frage, wo denn die neuen Leuchttürme sind. Den Text werde ich nicht veröffentlichen, denn langsam habe ich das Gefühl, es müssen die privaten Podcaster in Schutz genommen werden. Enttäuschung und Frust rechtfertigen keine Abrechnung, wie “die Mehrheit hat ja nichts gebracht”.

Was ist passiert?
Es hat mit dem Podcast-Award 2008 zu tun. Die Geschichte lief -stark verkürzt- so ab: Die Organisatoren (Podcastclub, dessen Vorsitzender Georg Schneider war) mußten die Abstimmung zum Publikumspreis stoppen, da das technische Verfahren manipuliert worden ist, nachdem die Macher des ComputerClub 2 die Mängel im Netz publizierten. Ein Streit folgte und endete mit der Schließung des Clubs und der Absage der Awardverleihung. Im Januar wurde die ComputerClub-Macher noch herzlich in die “Gemeinde” der Podcaster aufgenommen, als ihnen der Podcast-Award verliehen worden ist. Selbstgefällig redeten die Macher von der Zeit, als ihre Sendung noch im WDR zu sehen waren. In ihren alten Geschichten schwang noch der Frust über die Absetzung durch den WDR mit. Die ComputerClub-Moderatoren fühlten sich nicht verstanden. Das der ComputerClub 2 jetzt mit dem Ende des Podcastclubs zu tun hat, wundert mich nicht. Auch hier treffen zwei unterschiedliche Generationen aufeinander. Auf der Webseite verstehen die ComputerClub-Macher den Ärger nicht. “Ich war gerade dabei, Geschütze aufzufahren, um die eigene Ehre wieder zu erlangen. Ich habe nämlich keine Anleitung zum Manipulieren veröffentlicht”, ist dort zu lesen (leider ist nicht ersichtlich, ob Wolfgang Back oder Wolfgang Rudolpf dies geschrieben hat; deswegen schreibe ich hier auch nur von den Machern). In dem Text wird die Publizierung der Mängel mit der Pflicht des Journalisten gerechtfertigt, Missstände aufzudecken. Wenn eine Reaktion jedoch mit dem folgenden beginnt, wird meiner Meinung nach das Ziel verfehlt: “Wer sich jetzt noch für den http://www.podcastclub.de interessiert, der wird enttäuscht sein. Ich selbst bin es auch.”. Die ganze Geschichte ist ein großes Durcheinander und spielt auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit. Ich kann Georg Schneider aber sehr gut verstehen. Versetzen wir uns einmal in seine Lage: Die Goldgräberstimmung ist vorbei und mit einigen Anderen investiert er viel Freizeit und bestimmt auch eigenes Geld, um Podcasting in Deutschland zu fördern. Bei all der Mühe gibt es kaum Resonanz, wenn überhaupt viel Kritik (siehe Uwe Werner im Podcasterblog). Bleibt die Erkenntnis, sich durch das Engagement eine gewisse Erfahrung aufgehäuft zu haben. Doch dann kommen Agenturen, Verlage und Sender, die eigene Podcast-Angebote starten, erfolgreich sind und weder auf Verband oder Club zurückgreifen. Georg Schneiders Frust spielt sich in seiner Stellungnahme in einer Sonderausgabe des Podcast-Journals wieder (Dieser Episode habe ich seine Zitate in diesem Text entnommen). Der Ex-Vorsitzende ärgert sich, dass inzwischen alles als Podcast bezeichnet wird, was hipp und hörbar ist: “Die Podcast-Technik, das Abonnieren an sich, wird sich nicht mehr durchsetzen.”

Wie geht es weiter? Gerrit van Aaken, einer der frühesten deutschen Podcaster, hat Ende November in seinem Blog gefragt, ob Podcasting noch zu retten ist. Eine Reihe von negativer Erfahrungen in den letzten Monaten führten ihn zu der Erkenntnis, das Medium sei zu beerdigen, weil es sich in den letzten drei Jahren nicht durchgesetzt hat. Ich glaube Gerrit fehlt in seinem Aufsatz die Distanz zu dem Thema. Aus seiner Ur-Podcaster-Sicht kann ich das sehr gut nachvollziehen, jedoch teile ich vielmehr die Ansicht von Tim Pritlove, der sich in dieser Nacht auch Gedanken zu den jüngsten Ereignissen gemacht hat. Sein Fazit ist auf eine abgedroschene Formel zu bringen: Der Podcast ist tot, es lebe der Podcast! Nur weil es nicht mehr Club und Verband gibt, werden jetzt nicht scharenweise Podcaster ihr Angebot einstellen. Nur weil Annik Rubens nicht mehr monatlich mit einem Interview oder einer Homestory in Printprodukten präsent ist, wird die Zahl der Abonennten einbrechen (Sie mag mir die Übertreibung an dieser Stelle verzeihen). Die Kreativität der Podcaster ist jetzt gefragt, sich mit jeder Episode so neu zu erfinden, dass sie für ihre Zuhörer oder Zuschauer attraktiv bleiben. Tim sagt “Qualität setzt sich durch” und diesem gerne von mir benutzten Satz unterschreibe ich in dieser Angelegenheit wieder. Gelassenheit und Geduld ist auch hier angebracht.

Ist der Podcast in Deutschland tot? Ein besorgter Kollege kontaktierte mich heute Früh im Adium mit der Frage: “Weniger schön ist ja das was ich gerade sehe, erst hat der Podcastverband zu gemacht und nun der Podcastclub :-( Ist Podcasting in Deutschland gestorben?” Darauf ich: “Auf gar keinen Fall.” Daraufhin der Kollege: “Sehr schön, das darf es auch nicht.” Obwohl, ehrlich gesagt sehe ich schon die Schlagzeilen kommen, welche den Podcast-Tod durch die Print- und Online-Presse wedeln werden. So einfach ist das aber nicht. Das Podcast-Prinzip und der Begriff haben sich in den letzten Monaten immer mehr durchgesetzt. Viele, viele Radiosender nutzen in diesem Jahr das Wort “Podcast” mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sie auch die eigenen E-Mail-Adressen oder Frequenzen im Programm nennen. Private Podcaster werden genauso eigene Angebote starten, wie sie diese auch beenden werden. Einzelne Webmaster, Blogger oder Gruppen werden auch Podcasts auf ihrer Webseite anbieten. Aber nur aus dem Grund, weil sie die Form praktisch finden und nicht weil es das neue Spielzeug ist, dessen Grenzen jetzt ausgelotet werden müssen. Letzteres hat wohl viele Früh-Podcaster (zusammen mit dem Gefühl “bei etwas ganz Großem dabei zu sein”) die Erwartungen hochschrauben lassen. Ich erinnere mich noch daran, als ein Videoblogger kürzlich auf einer Konferenz sich enttäuscht über die Szene im Gespräch mit mir äußerte. Er stellte sich auch die Frage, warum denn jetzt keine große Firma auf ihn zukommt, um seine Fähigkeiten als Podcaster zu nutzen. Vielleicht eine symptomatische Einstellung der Szene. Wobei Tim Pritlove schlüssig argumentiert, warum es eigentlich in Deutschland keine “Podcast-Szene” gibt. Vielleicht sind wir jetzt einfach an dem Punkt angekommen, an dem sich in jeder Ecke die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht “eine Szene” gibt. Ich bin mir aber sicher: Das Thema Podcasting wird weiter interessant bleiben, auch wenn der Zauber inzwischen verflogen ist.

Noch einmal: Was ist hier passiert?
Podcasting ist nicht tot. iTunes wird auch künftig neue Folgen von Schlaflos in München, Markendreiklang, Was weiß ich und so ausliefern. Auf große Erwartungen folgte große Ernüchterung – Personen die mit viel Engagement das Thema in Deutschland gefördert haben, haben in den letzten Wochen ihrem Ärger Luft gemacht. Oft ist ein wenig Abstand eine gute Lösung. Oft heißt dies auch, sich ein wenig Zeit zu nehmen. Und ich habe irgendwie die Hoffnung, dass diese Zeit gut genutzt wird. Vielleicht entsteht in der einen oder anderen Minute eine Idee und daraus vielleicht ein schöner neuer Podcast oder eine schöne neue Episode. Und darum ging es ursprünglich ja auch.

Wir “hören” uns im nächsten Jahr. Kompletter Eintrag

Podcastverband

01.11.2007 | 12:19 | Dennis Horn

Der Podcastverband gibt seine Tätigkeit auf – zum mittlerweile zweiten Mal. Als Interessenvertretung für Podcaster in Deutschland bleibt damit zumindest in organisierter Form der Podcastclub übrig. Kompletter Eintrag

Kollege

10.10.2007 | 14:18 | Dennis Horn

Privat. In seinem Blog. Kompletter Eintrag

Podcast-Workshop

08.10.2007 | 16:32 | Dennis Horn

In dieser Woche steht der erste von zunächst zwei Online-Workshops bei der vame-Akademie für Kommunikation zum Thema “Der Weg zum eigenen Podcast” an, die ich halten werde. Als Termin steht der Mittwochabend, 10. Oktober, 19 Uhr. Der zweite Workshop findet kommende Woche Donnerstag, 18. Oktober, 19 Uhr, statt. Alle Infos zum Workshop und zur Anmeldung findet ihr im eigenen Eintrag aus dem August. Kompletter Eintrag

Der

06.10.2007 | 14:43 | Daniel Fiene

Er geht in eine neue Runde – der Podcast-Award. Im Januar wird er in Köln zum dritten Mal vergeben und seit dieser Woche können Podcasts vorgeschlagen werden. Bis zum 30. November dauert die Vorschlagphase. Vergeben wird der Preis vom podcastclub, vorrangetrieben durch Georg Schneider. Mein Fazit vom Award 2007 könnt ihr in meinem Blog nachlesen. Kompletter Eintrag

Wo

30.09.2007 | 12:50 | Daniel Fiene

In der letzten Woche habe ich mich mit Annik Rubens kurz unterhalten und wir haben festgestellt: In der Podcast-Szene ist es etwas langweilig zur Zeit. Meine Lieblingspodcasts gibt es immer noch, aber die Projekte stammen alle aus 2005/2006. Dieses Jahr hat irgendwie kein großes privates Projekt vorgebracht. Zwar haben inzwischen sogar Modezeitschriften das Podcasten für sich entdeckt, aber was ist mit neuen Leuchttürmen aus der privaten Podcasterei? Gibt es die nicht mehr? Oder habe ich die übersehen? Über letzteres würde ich mich freuen – aber irgendwie steht da doch die Frage im Raum: Vor zwei Jahren sind so viele interessante Projekte aufgetaucht -z.T. auch wieder abgetaucht, warum geschieht das jetzt nicht mehr? Kompletter Eintrag

So

30.08.2007 | 18:35 | Dennis Horn

Ich bin sehr stolz auf den Kollegen Fiene: Er hat das Podcast-Buch in die “Vanity Fair” gebracht. Das ganze Web-2.0-Blog-und-Podcast-Ding komprimiert in einem Kasten.

Vanity Fair

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Online-Workshop:

28.08.2007 | 21:07 | Dennis Horn

Für die Düsseldorfer vame-Akademie für Kommunikation werde ich im September zwei Workshops unter dem Titel “Der Weg zum eigenen Podcast” leiten. Die Workshops finden im sehr komfortablen Online-Schulungsraum der vame statt, den ich gerade schon einmal bei einem Workshop über “Controlling” besucht habe.

Die Workshops sollen noch einmal auf einzelne Aspekte aus dem Podcast-Buch eingehen. Im Mittelpunkt steht aber die Produktion eines eigenen Podcasts – vom Equipment über die Aufnahme bis zum Schnitt. Im Detail wird es in den Workshops aber auch auf mögliche Konzepte im Trainer- und Bildungswesen, aber auch in anderen Bereichen gehen. Auch das Podcast-Marketing, rechtliche Aspekte und Verdienstmöglichkeiten sollen eine Rolle spielen.

Die Termine für die beiden Workshops:
Mittwoch, 10. Oktober 2007, 19 Uhr
Donnerstag, 18. Oktober 2007, 19 Uhr

Beide Workshops werden zwei Stunden lang laufen; anmelden könnt ihr euch bei der vame schon jetzt mit dem passenden Formular. Falls ihr noch Fragen habt – ab in die Kommentare damit oder per E-Mail an Julia Sohn von der vame-Akademie oder direkt an mich.

Update: Ihr könnt euch außerdem über die URLs https://www.xing.com/app/events?op=detail&id=144811 und https://www.xing.com/app/events?op=detail&id=146676 direkt über XING für den Kurs anmelden. Kompletter Eintrag

GEMA,

12.08.2007 | 10:55 | Dennis Horn

Mehr und mehr läuft bei uns die Frage auf, wie es sich mit Musik in Podcasts verhält. Wir besprechen dieses Thema zwar im Buch kurz und weisen dann etwas ausführlicher darauf hin, dass es Podsafe Music ist, auf die ihr setzen solltet und wo ihr diese findet. Weil die Frage aber immer wieder aufkommt, gehen wir das Rechtethema in Sachen geschützter Musik hier in einem Abwasch einmal kurz durch.

Geschützte Musik einfach so zu nutzen, geht nicht, denn ein Podcast lässt sich runterladen wie jede andere MP3-Datei auch. Die Musikindustrie hat also berechtigterweise Angst davor, dass die Nutzer die Musik isolieren und einzeln weiterverteilen. Dass die Musikindustrie sich damit auf einen Irrweg begibt und einen interessanten Verbreitungskanal ignoriert, hat nur ein Teil von ihr schon erkannt – und der Rest eben nicht. Das heißt: In einigen Fällen ist es möglich, geschützte Musik zu spielen, in anderen wieder nicht.

Die Verwertungsgesellschaften: GEMA und GVL
Auf der einen Seite steht die GEMA. Sie sorgt dafür, dass die Urheber Geld bekommen, wenn ihre Musik zum Beispiel im Radio oder auf Partys gespielt wird. Wer geschützte Musik nutzt, führt Gebühren an die GEMA ab, die dann beim Urheber landen. So muss der Urheber zum Beispiel nicht mit jedem Radiosender einen Vertrag abschließen, sondern nur mit der GEMA, die ihn dann vertitt. Die GEMA selbst bietet einen Podcast-Tarif an – wenn auch mit vielen Einschränkungen. Wir hören aber immer wieder von Vereinbarungen, die Podcaster auch über diesen Tarif hinaus einzeln mit der GEMA abschließen konnten.

Neben den Urhebern gibt es aber auch noch andere Beteiligte an der Musik – die Tonträgerhersteller oder Interpreten zum Beispiel. Diese werden durch die GVL vertreten, und diese wiederum bietet keinen Podcast-Tarif an. Hier entsteht das Problem, das wir in Deutschland mit Musik in Podcasts haben: Für die Podcaster bedeutet das, dass sie sich zum einen an die GEMA und wegen der Blockade durch die GVL direkt an die Tonträgerhersteller wenden müssen.

Die schwierigen Lösungen
Dirk Middeldorf vom Techno-Podcast “Zweihundert” klärt zum Beispiel die Rechte direkt mit den Labels ab und geht damit den Weg, den man als Podcaster juristisch korrekt auch gehen sollte. Ein Drittel der angeschriebenen Labels habe sich auf seine Anfragen aber nie gemeldet; mit den großen deutschen Technolabels hätte er aber ohne Probleme die Rechte absprechen können. Etwa 20 seien das im Moment an der Zahl.

Nicht jeder möchte aber Techno-Musik einsetzen, und viele größere Labels verweisen die Podcaster oft zurück an die GVL. So entsteht der Teufelskreis. Eigentlich ist geschützte Musik in Podcasts damit verboten, sollten die Tonträgerhersteller nicht ihr Okay dazu geben. Juristen raten zum Teil aber auch dazu, bei fehlgeschlagenen Anfragen an Tonträgerhersteller und GVL die Musik trotzdem einzusetzen – und damit zumindest Nachforderungen der GVL in Kauf zu nehmen, sollte sie nachträglich noch einen Podcast-Tarif einführen.

Klar ist, dass eine Änderung der Lage nur mit einem großen Anlauf zu machen wäre, wie Daniel es auch schon schrieb. Da müsste jemand herkommen, der eine Hebelwirkung bei den Tonträgerherstellern schaffen würde, die dann gemeinsam mit dem Wunsch nach einer Lösung bei der GVL vorstellig werden. Vorher bleibt es dabei, dass Musik in Podcasts ein Problem darstellt. Kompletter Eintrag

Tod

07.08.2007 | 13:52 | Dennis Horn

Dass der Begriff “Podcast” eigentlich ein etwas problematischer ist, hatte ich ja schon einmal erwähnt. Annik Rubens sucht zurzeit in Schlaflos in München über ihr Forum nach einem neuen Begriff. “Internet-Sendung” scheint der bisherige Favorit – die Stimmen mehren sich aber, den nun ja auch etablierten Begriff “Podcast” beizubehalten. Kompletter Eintrag